Meßsucherkamera Leica M7 - die beste Kamera der Welt?
Pro: klein, handlich, robust, Spitzen-Objektive
Kontra: teuer, umständliches Film einlegen
Anfang des 20. Jahrhunderts
haben Fotografen Ihre Lichtbildnisse auf schweren und unhandlichen
Plattenkameras (9x12cm bis 20x25cm) abgelichtet. Schnappschüsse waren kaum
möglich. Bereits 1905 hatte Oskar Barnack die Idee, das Filmformat zu
verkleinern. Die Realisation gelang Ihm 1915 als Entwicklungsleiter bei
Leica. Statt Platten wurde ein Kinofilm 24x36mm in ein Metallgehäuse mit
Optik gepackt. Die ersten Bildergebnisse waren für damalige Verhältnisse
sehr gut. Durch den ersten Weltkrieg konnte die UR-Leica erst 1924 zum
ersten mal als Serienkamera gefertigt werden. Bis heute ist der
Kleinbildfilm das am meisten verwendete Filmmaterial! Jede neue
Leicageneration der Sucherkamera mit Wechseloptiken basiert auf diesem
Grundmodell. Es wurden lediglich ein paar technische Innovationen dezent
hinzugefügt.
Bei einem Kodak Fotowettbewerb bekam ich den erfreulichen Anruf, das ich
zu den drei glücklichen Gewinnern einer Leica M7 gehören würde. Zur
Preisverleihung wurde ich auf die Photokina nach Köln eingeladen. Zuerst
überwog die Freude über solch einen hochwertigen Gewinn. Aber was soll ich
mit solch einer teuren Kamera? Also lag der Gedanke nahe, die Kamera nach
Erhalt zu verkaufen. Die Preisverleihung zog sich über zwei Stunden hin,
bis ich die Kamera in der Original-Verpackung überreicht bekam.
Anschließend fuhren wir auf direktem Weg zum Hotel um neugierig die neue
Leica zu entpacken. Welch eine Unverschämtheit! Die haben auch noch meinen
Namen eingraviert! Mein Verkaufsentschluß geriet zum ersten mal ins
wanken!
Die Leica M-Modelle werden übrigens noch heute aus bis zu 3000
Einzelteilen von Hand montiert! Leica (Made in Germany) ist derzeit noch
die einzige Kameramanufaktur auf der Welt. Am Tag werden max. 60 Gehäuse
gefertigt. Die Qualitätskontrollen sind sehr hoch (jede einzelne wird
geprüft)! Das Gehäuse ist aus Metall (Deckkappe und Boden aus Messing)
silbern oder schwarz verchromt. Übrigens hat Leica ein Patent auf die
schwarze Verchromung! Während bei anderen Kamerahersteller die schwarze
Farbe brüchig wird oder verkratzt, sieht man an einem Leica Gehäuse kaum
Gebrauchsspuren (kratzfester)! Umso überraschter war ich beim einlegen der
Batterie, dass der Batteriedeckel nur aus Kunststoff ist!? Richtig
interessant wird es beim ersten Versuch einen Film einzulegen. Hierzu habe
ich gute 30 Minuten benötigt! Dies ist aber normal! Nach ein paar Filmen
hat man den richtigen Bogen raus und hat den Film in 30-60sec erfolgreich
eingelegt.
Besonders angenehm ist der extrem helle Sucher, wodurch über den Schnitt-
und Mischbildentfernungsmesser die Entfernung exakt manuell focusiert
werden kann. Sehr hilfreich zur Ausschnittbestimmung ist hier auch der
Leuchtrahmen. Hier noch die wichtigsten technischen Daten in einer
Auflistung:
Kamera-Typ
Kompakte Kleinbild-Messsucher-Systemkamera mit elektronisch gesteuertem
Verschluss sowie zwei mechanisch gesteuerten Verschlusszeiten.
Objektive
Leica M-Objektive von 21 – 135 mm.
Sucher
Großer, heller Leuchtrahmen-Messsucher mit automatischem
Parallaxen-Ausgleich. Okular: Abgestimmt auf -0,5 dptr (es gibt drei
Suchervarianten, je nach bevorzugter Brennweite)
Belichtungsmessung
Belichtungsmessung durch das Objektiv (TTL), selektiv bei Arbeitsblende.
Mittenbetont-integrale TTL-Messung für Blitzbelichtung mit systemkonformen
SCA-3000-Standard-Blitzgeräten
Filmempfindlichkeit
Wahlweise automatische Einstellung für DX-kodierte Filme von ISO 25/15°
bis ISO 5000/38° oder manuelle Einstellung von ISO 6/9° bis ISO 6400/39°.
Durch zusätzliche Einstellung einer Belichtungskorrektur (±2 EV) sind
insgesamt Filme mit Empfindlichkeiten von ISO 1,5/3° bis ISO 25000/45°
verwendbar.
Belichtungs-Betriebsart
Wahlweise automatische Steuerung der Verschlusszeit – mit entsprechender,
digitaler Anzeige – bei manueller Blendenvorwahl (Zeitautomatik), oder
manuelle Einstellung von Verschlusszeit und Blende und Abgleich mittels
LED-Lichtwaage.
Verschluss
Gummituch-Schlitzverschluss mit horizontalem Ablauf; extrem geräuscharm.
Elektronisch gesteuert, mit zwei mechanisch gesteuerten Verschlusszeiten
1/60 s und 1/125 s.
Verschlusszeiten
Bei Zeitautomatik (»AUTO«) stufenlos von 32 s – 1/1000 s. Bei manueller
Einstellung 4 s –1/1000 s in ganzen Stufen, B für Langzeitaufnahmen
beliebiger Dauer, (1/50 s) für Blitz-Synchronisation.
Zubehör
Leica SF 20 (TTL-Blitz)
Motor M
Diverse Filter
Über das bestehende Zubehör, gibt es über den Gebrauchthandel interessante
Ausbaumöglichkeiten. Über einen M39-Adapter können ältere oder
Fremdobjektive verwendet werden. Hierbei ist allerdings Vorsicht geboten
und eine Nachfrage beim Hersteller zu empfehlen, da es mit der Steuerkurve
des Belichtungsmessers zu Abweichungen, d.h. Fehlbelichtungen kommen kann.
Sehr interessant ist z.b. auch der Visoflex-Aufsatz. Mit diesem kann man
die Kamera zur Spiegelreflex umrüsten. Aber hier sollte man sich erst über
die technische Verwendbarkeit kund tun.
Die Kamera hat keinen Autofocus, ist keine Spiegelreflexkamera, es gibt
keine so große Objektivauswahl, keine Programmautomatik, keinen
eingebauten Motor, umständliches Film einlegen. Warum wird solch eine Sucherkamera überhaupt noch hergestellt?
Nachdem ich nun einige Filme mit Ihr belichtet habe bin ich begeistert und
werde Sie nicht verkaufen! Die Vorteile gegenüber anderen Systemen haben
mich überzeugt. Bei einem einwöchigen Wien-Urlaub habe ich von 20 – 36er
Filmen die Hälfte mit der Leica aufgenommen! Warum?
Sie ist unauffälliger und handlicher (als eine Spiegelreflex).
Man kann mit Ihr mit längeren Belichtungszeiten noch verwacklungsfrei aus
der Hand fotografieren (mit 50mm bis zu 1/8sec!!!). Bei jeder
Spiegelreflex wird bei diese Verschlusszeit durch den Spiegelschlag
(=Erschütterung) die Aufnahme verwackelt.
Das Auslösegeräusch ist kaum zu hören (leichtes surren, kein lauter
Spiegelschlag).
Die Objektive sind das beste was es gibt – extreme Schärfe und intensive
Farbwiedergabe!
Die Verarbeitungsqualität und Präzision ist unerreicht. Eine Kamera fürs
Leben!
Fazit
Für manche Fotomotive ist die Leica M unschlagbar. Insbesondere bei der
Reisefotografie und durch die hohen lichtstarken Objektive auch für die
Konzert und Theaterfotografie. Aber auch für Portraits eignet sich diese
Kamera hervorragend. Der größte Pferdefuß ist der hohe Anschaffungspreis.
Es gibt zwar einen regen Gebrauchthandel (auch bei ebay). Gut erhaltene
Stücke haben aber auch da noch ihren hohen Preis. Wenn man wirklich ein
günstiges Angebot findet, ist das gute Stück meist im sehr abgenutzten
Zustand. Wer aber eine Kamera fürs Leben sucht, wird sie mit einer Leica M
finden.
Über Leica-M-Kameras gibt es eine zahlreiche Auswahl an Büchern. Ob über
die aktuellen Modelle oder die Geschichte und die Vielzahl der gebauten
Modelle. Eine weitere Informationsquelle bei Unklarheiten ist das
Leica-Forum
Was die optische Qualität angeht, ist es mit Sicherheit das beste was man
bekommen kann! Für bestimmte Motive hat die Kamera Vorteile gegenüber
anderen Systemen. Wer oft Makro, Sport oder Tierfotografie betreiben
möchte, der sollte besser zu einer Spiegelreflex mit den passenden
Spezialobjektiven greifen.
Ach ja, ein Gehäuse kostet 3.000€.
Die Objektive liegen bei 670-2.635€.
Handarbeit hat eben seinen Preis.