+ hervorragendes Preis - Leistungsverhältnis für eine
Digitalkamera dieser Klasse +
Praxistest Nikon D70 - 6 Mio Pixel
Pro: sehr gutes Preis- Leistungsverhältnis, hervorragende technische
Ausstattung
Kontra: Autofocus könnte schneller sein, Nikon Capture kostet extra
Im Frühjahr 2004 erschien mir die
analoge Nikon F100 für manche fotografische Anwendungen nicht mehr ausreichend. Da
die digitale Nikon D70 gerade erst vorgestellt wurde, dachte ich mir, ich warte die
ersten Monate erst einmal ab, bis die ersten kleinen Kinderkrankheiten
behoben sind und der Preis auch etwas nach unten gegangen ist.
Also kaufte ich mir eine Konica Minolta Dimage Z2 Kompaktkamera zur
zeitlichen Überbrückung. Ich hoffte damit brauchbare Fotos von Libellen im
Flug machen zu können. In vielen Tests wurde die für eine Kompaktkamera
kurze Auslöseverzögerung gelobt. Ein weiterer Vorteil erschien mir der
Telebereich von 380mm (echte Brennweite)! Nach den ersten ernsthaften
Einsätzen bei der Libellenfotojagd, kam allerdings die Ernüchterung. Die
Auslöseverzögerung ist zwar für diese Kameraklasse recht kurz, für
Libellen aber viel zu lange! Der große Zoombereich wirkt sich leider auch
negativ auf die optische Qualität, besonders im oberen Brennweitenbereich
aus. So kann man die 380mm kaum verwenden, außer man akzeptiert leicht
unscharfe Aufnahmen. Durch den kleinen Aufnahmechip sind nur bei ISO
50 Aufnahmen ohne Bildrauschen möglich, was selbst bei Sonne kaum ein
abblenden zuläßt, da durch die Bewegungen und den Teleeinsatz sehr kurze
Verschlußzeiten notwendig sind. Ein paar ordentliche Aufnahmen gelangen
zwar, diese entsprachen aber nicht meinen hohen Anforderung an
Bildschärfe und Brillanz.
Aus dieser Erkenntnis bestellte ich dann im Mai bei meinem Händler eine
Nikon D70. Im Juni konnte ich sie mit einem AF-S Nikkor 18-70 mm 3,5-4,5 G
ED abholen.
Zu Hause wurde die Kamera ungeduldig
mit Akku und Speichermedium ausgestattet. Sehr positiv viel mir dabei das
relativ geringe Gewicht (im Vergleich zu einer Nikon F100 oder gar F5)
auf. Auch das Kameragehäuse macht einen wesentlich kompakteren aber sehr
robusten Eindruck
und liegt durch den ergonomischen Handgriff sehr gut in der Hand (wobei
dies natürlich von der persönlichen Anatomie abhängig ist).
Beim ersten betrachten der
Bedienelemente findet man sich als langjähriger Nikonfotograf sehr schnell
zurecht! Die wichtigsten Funktionen wie Einstellung der Belichtungsart,
Auslöser, Belichtungsmeßmethode, Belichtungskorrektur, Motoreinstellungen, Meßwertspeicher findet man an gewohnten Stellen oder sind durch die
gewohnten Symbole gekennzeichnet!
Bei der Umstellung von analog auf
digital gibt es natürlich auch einiges was neu zu entdecken ist. Um ganz
sicher zu gehen sollte man hierzu die Bedienungsanleitung zu Rate ziehen.
Für ganz ungeduldige gibt es eine Schnellversion, welche in ein paar
Minuten zu den wichtigsten Einstellmöglichkeiten führt. Die Menusteuerung
am Display erklärt sich durch klare Bezeichnungen meist von alleine. Wer
allerdings weitreichende Änderungen an den voreingestellten Funktionen
verstellen möchte, sollte die jeweiligen Unterschiede in der Anleitung
vorher genau durchlesen.
Die ersten Aufnahmen machte ich an
einem Gewässer von Libellen. Erstaunlicherweise gelangen mir mit einem Sigma APO AF-D 5,6/400 mm auf Anhieb sogar hervorragende
Fotos im Flug! Durch die kleinere Aufnahmdiagonale des Aufnahmechips
wird aus dem 400 mm Objektiv ein 600 mm! Also bei Tier- und Sportaufnahmen
ein riesiger Vorteil für den Fotografen! Ich war schlichtweg begeistert!
Lediglich die Autofocusgeschwindigkeit könnte besser sein. Dies hat aber
unterschiedliche Ursachen. Die schnellste Focusiergeschwindigkeit kann ich
bei Nikkor AF-S Objektiven beobachten. Mit einem Nikkor AF-D erscheint mir
die Geschwindigkeit schon reduzierter. Und mit einem Fremdobjektiv wie dem
Sigma, wird das ganze noch einmal eine Stufe langsamer. Für den
Hausgebrauch ist die Autofocusgeschwindigikeit sicher ausreichend. Beim
fotografieren schnell bewegter Motive auf kurze Distanz (z.b. Libellen,
kleinere Tiere) kann es leichte Probleme geben. Eine absolute Lösung gibt
es aber auch hier nicht! Lediglich durch finanzielle Investition in
teurere AF-S-Objektive und einer Kamera wie der D2X (kostet ca. das
fünfache!) kann man die Ausschußquote bei solchen Aufnahmen reduzieren.
Wer allerdings lieber mit
Weitwinkelobjektiven arbeitet hat hier Nachteile, da sich durch
den Verlängerungsfaktor (Crop-Faktor x1,5) der Weitwinkeleffekt reduziert. Hinzu kommt das
für analoge Kameras berechnete Objektive im Weitwinkelbereich meist nicht
mehr die optimale Bildqualität wiedergeben (Da das Licht in einem
bestimmten Winkel auf den Sensor auftreffen muß, dieser Einfallswinkel ist
bei analog berechneten Optiken durch das abweichende Aufnahmeformat nicht
mehr optimal, dadurch kann es zu optischen Fehlern (Farbe/Schärfe) kommen). Hier muß man leider oft zu sehr teuren neuen optischen
Berechnungen greifen die speziell auf den digitalen Chip berechnet sind.
Dieses Problem ist allerdings auf alle Kamerahersteller mit
Wechselobjektiven zu und ist also keine Nikonspezifische Thematik. Nikon
bietet hierzu speziell für digitale Kameras berechnete Objektive wie das
AF-S DX 17-55mm G IF-ED, AF-S DX 18-70mm 3,5-4,5 IF-ED, AF-S DX 12.24mm 4
G IF-ED, AF DX Fischeye 10,5mm G ED und weitere an.
Da ich analog die Farbintensität
eines Fuji Velvia oder Kodak E100VS gewohnt war, sagten mir die ersten
Aufnahmen in der Farbbrillanz noch nicht ganz zu. Nach dem ich aber ein
paar Grundeinstellung für meinen individuellen Geschmack geändert habe,
erhalte ich die gewohnte Brillanz nun auch in der Farbwiedergabe wie auf
meinen Lieblingsfilmen! Im Urlaub stellte sich bei den
Tagesausflügen das mitgelieferte Zoom von 18-70mm als idealer
Reisebegleiter heraus. Bei Wanderungen in den Allgäuer Bergen konnten
damit vom leichten Weitwinkel bis zum Portrait die gängigsten Situationen
fotografisch festgehalten werden. Selbst im Nahbereich ist die optische
Qualität für ein Zoom erstaunlich gut! Für ferne Motive kam meist das AF-D
2,8/180mm ergänzend zum Einsatz. Wenn im Schattenbereich aufgehellt werden
mußte kam der Nikon-Blitz SB-600 erfolgreich zum Einsatz. Die Akkus halten
etwa 3-5 volle 1GB CF durch. Dies sind ca. 300-700 Aufnahmen. Im
Lieferumfang ist ein Akku dabei. Man sollte also unbedingt einen oder
mehrere Ersatzakkus dabei haben. Mit dem mitgelieferten Schnellladegerät
sind die Akkus in max. 2 Stunden wieder aufgeladen.
Als Speichermedium verwende ich eine CompactFlasch Card von Lexar mit 1GB Speicherkapazität. Durch die 40x
Speichergeschwindigkeit erhöht sich die Anzahl der Serienfotos merklich.
Bei Sport und Tieraufnahmen mit laufenden Motor hat sich dies bewährt. Wer
die Kamera überwiegend für Aufnahmen bei Familienanläßen, Urlaub,
Wanderungen, also für den Hausgebrauch einsetzt, dem wird eine
kostengünstigere CF-Card mit geringerer Lesegeschwindigkeit ausreichen.
Mit 1GB kann man in der höchsten Auflösung (RAW) mindestens 94 Aufnahmen
machen (gem. Anzeige). In der Praxis kommt man meist auf ca. 130-180
Aufnahmen! Die Bilddaten sind von einer vollen Karte über ein USB-Kabel in
ca. 5-10 min auf einen Rechner hochgeladen.
Aus Qualitätsgründen mache ich inzwischen alle Aufnahmen im RAW-Format.
Bei einer Geburtstagsfeier habe ich am Anfang das JPG getestet. Wenn damit
eine Aufnahme nicht 100% richtig belichtet wird, kann man diese kaum noch
durch Nachbearbeitung retten. Im RAW-Format hat man über die
Zusatzsoftware Nikon-Capture vielfältige Eingriffsmöglichkeiten in
Schärfe, Tonwerte, Kontrast, heller und dunkler bis zu 2 Lichtstufen und
noch weitere Korrekturmöglichkeiten. Der Vorteil ist, das eine Änderung im
RAW-Format ohne Qualitätsverlust ist, da dabei lediglich die Grunddatei
geändert werden, welche nachher das eigentliche Bild berechnet!
Aus der RAW-Datei kann in verschiedene JPG-Komprimierungen und in TIFF
(8-Bit und 12 Bit) umgewandelt werden. Damit das nicht einzeln notwendig
ist, kann dies per Stapelverarbeitung automatisiert werden.
In vielen Foren habe ich vor meiner
Kaufentscheidung über Staub auf dem Chip gelesen. Nach jetzt 10 Monaten
regelmäßigen Einsatz der Kamera habe ich bisher keine Probleme damit.
Vielleicht ist dies auch eine Frage der Sorgfalt. Irgendwann wird
allerdings auch meine Kamera unweigerlich durch den Objektivwechsel mit
Staub belastet sein. Die Entfernung sollte durch den Nikon-Kundendienst
erfolgen, da beim Reinigungsvorgang der Chip leicht beschädigt werden
könnte.
Fazit:
Für einen engagierten Fotografen oder anspruchsvollen Hobbyfotografen eine
hervorragende Digitale Spiegelreflexkamera zu einem günstigen Preis-
Leistungsverhältnis. Sie läßt kaum fotografische Möglichkeiten offen. Hier
spielt natürlich auch das umfangreiche Sortiment von Nikon eine gewichtige
Rolle. Zahlreiche Objektive, Blitzgeräte und Zubehör für vielfältige
Anforderungen gibt es hier zur Ergänzung. Schade finde ich mal wieder bei
Nikon, das man die Bearbeitungssoftware Nikon Capture zusätzlich kaufen
muß. Diese sollte zum Lieferumfang gehören. Die einfache mitgelieferte
Software bietet bei weitem nicht die Möglichkeiten von Nikon Capture.
Für die Tierfotografie oder Sportfotografie kann dieses Kameramodell
ebenfalls erfolgreich eingesetzt werden. Wer damit aber sein Geld
verdienen muß wird mit einem Profimodel wie der D2X oder D2H besser
beraten sein. Dort ist vor allem die oft entscheidende
Autofocusgeschwindigkeit noch einmal wesentlich schneller und exakter.
Hier noch die wichtigsten technischen Daten in einer
Auflistung:
Kamera-Typ
Digitale Spiegelreflexkamera mit Anschluß für Wechselobjektive.
Effektive Auflösung
6,1 Millionen Pixel
CCD-Sensor
23,7 x 15,6 mm, Gesamtpixelanzahl: 6,24 Millionen Pixel
Objektive
Nikon mit F-Bajonett (mit AF-Kupplung und AF-Kontakten)
mit G und D-AF-Nikkoren werden alle Kamerafunktionen unterstützt.
Andere AF-Nikkore - Es werden aller Kamerafunktionen mit Ausnahme der
3D-Color-Matrixmessung, des i-TTL-Aufhellblitzes und des Autofocus
unterstützt.
Andere Nikkore - können mit manueller Belcihtungssteuerung (M) verwendet
werden. Das Belichtungsmeßsystem der Kamera ist aber deaktiviert!
Sucher
Optischer Pentaprismensucher mit Dioptrieneinstellung von -1,6 bis +0,5
und einer BriteView-Einstellscheibe B mit kontrastoptimierten
Fokusmessfeld-Markierungen und einblendbaren Gitterlinien.
Blende
Springblende mit Abblendtaste zur Kontrolle der Tiefenschärfe
Scharfeinstellung - Autofocus
5 Messfelder mit Messfeldvorwahl.
Manuell, Autofokus, Einzelautofocus, kontinuierlicher Autofocus mit
prädiktiver Schärfennachfühung.
TTL-Phasenerkennung mit Autofokusmodul mit Hilfslicht (Reichweite 0,5 bis
3m).
Autofokus Messwert-Speicher.
Belichtungsmessung
TTL-Offenblendenmessung mit drei Messsystemen (Matrixmessung,
Mittenbetonte Messung und Spotmessung).
Filmempfindlichkeit
entspricht ISO 200 und ist bis ISO 1600 in 1/3 Lichtwerten einstellbar.
Belichtungs-Betriebsart
Motivprogramme für Automatik, Portrait, Landschaft, Nahaufnahmen, Sport
und Action, Nachtaufnahme, Nachtportrait, Programmautomatik,
Blendenautomatik, Zeitautomatik und manuelle Belichtungssteuerung.
Verschluss
Vertikal ablaufender Schlitzverschluss und elektronischer Verschluss
kombiniert.
Verschlusszeiten
30 Sekunden bis 1/8000 Sekunde Schrittweise 1/3 oder 1/2 Lichtwert
einstellbar. Langzeitbelichtung (Bulb) und Fernauslösung über
Fernbedienung (Zubehör).
Weißabgleich
Automatik oder 6 Weißabgleichseinstellungen mit Feinabstimmung,
Farbtemperatur-Eingabe, Weißabgleich-Messwertspeicher.
Weißabgleichsreihen mit 2 oder 3 Aufnahmen mit Schrittweite von 1,2 oder 3
Stufen möglich.
Auslöser
Dreistufig: Bestromung-Messwert-Speicherung (bei Zeitautomatik)
–Auslösung. Genormtes Gewinde für Drahtauslöser integriert
Eingebauter Blitz
Leitzahl 11 (ISO 100) - Leitzahl 15 (ISO 200)
Blitz
nur X-Kontakt mit einer Synchronzeit bis 1/500 Sekunde.
TTL, A und Creative Lighting System (Farbtemperaturübertragung +
Kabelloser Blitzeinsatz) mit Nikon SB-600 und SB 800 möglich.
Speichermedien
CompactFlasch Karten Typ I und II und Microdrive Karten.
Dateiformat der
Bilddateien
NEF (RAW) mit 12 Bit Farbtiefe und JPG
Monitor
Niedertemperatur-Polysilizium-TFT-Display mit 130.000 Punkten, 1,8 Zoll
Bilddiagonale und Helligkeitsregulierung.
Datenschnittstelle
USB
Stromversorgung
Lithium-Ionen-Akku Nikon EN-EL3 mit Schnellladegerät MH-18 oder drei
Lithium Batterien vom Typ CR2 mit dem Batteriehalter MS-D70 oder mit
Netzadapter EH5.