Pro: sehr gute optische Qualität
Kontra: kein Autofocus, umständliches Arbeiten mit Digitalkameras
Anfang der 80er Jahre suchte ich für
meine Nikon FM ein Weitwinkelobjektiv. Nach reiflicher Überlegung viel die
Wahl auf die 20mm Brennweite. Da ich bereits ein 35mm Objektiv hatte, war
der Unterschied zum 28mm zu gering. Das 24mm entsprach nicht ganz meinen
Vorstellungen eines extremen Weitwinkels.
Als Lehrling reichte es finanziell damals nicht zu einem Neuen. So führte
der Weg auf die nächste Fotobörse in der Fellbacher Schwabenlandhalle (bei
Stuttgart). Eine Stunde vor Hallenöffnung fand ich bereits eine über 100m
lange Menschenschlange vor! Nach einer Stunde Wartezeit durfte ich endlich
in die Verkaufsräumlichkeiten eintreten. Da ich ein festes Budget und
klare Vorstellungen hatte, schritt ich die Verkaufstische relativ zügig ab
und entdeckte drei Nikon Weitwinkel mit 20mm. Jene mit Lichtstärke 2,8
waren relativ teuer. Das dritte mit 3,5/20mm lag preislich genau in meinem
Rahmen! Der Zustand war wie NEU und mit Original-Sonnenblende
ausgestattet. Mit dem Verkäufer war ich mir schnell einige und zog freudig
mit der Neuerwerbung nach Hause!
Nach den ersten Aufnahmen war ich
über die optische Brillanz und bis in die Bildecken korrigierte Optik
begeistert! Selbst bei offener Blende hat man ein vollkommen
verzeichnungsfreie Foto! Die geringfügigere Lichtstärke gegenüber dem
Nachfolger habe ich nie als Nachteil empfunden. Für optimale Schärfe
blendet man sowieso, wenn irgend möglich auf 5,6 bis 8 ab. Die Mechanik
hat ca. 20 Jahre präzise und zuverlässig seine Dienste erfüllt (Bis zum
Verkauf wegen Kamerawechsel auf
Digital Nikon D70). Einen Filter habe ich nie verwendet, da ein
optischer Vorsatz die Bildqualität in den meisten Fällen reduziert. Als
Schutz der Frontlinse kam permanent die Sonnenblende zum Einsatz. Dies
sieht man auch auf dem obigen Foto. Bei zahlreichen Bergtouren gab es den
ein oder anderen Stoß gegen die Gegenlichtblende (die zweite in 20
Jahren). Da diese aber aus robusten Metall ist, hat diese sehr viel
abfangen können und mechanischen Schaden am Objektiv verhindern können.
Später kam noch eine Nikon F301 mit
eingebautem Motor und Programmautomatik hinzu. Dort konnte ich wegen der
fehlenden Funktion das Objektiv für Blenden- und Programmautomatik nicht
einsetzen. Da ich bei den meisten Motiven aber sowieso mit Zeitautomatik
arbeite (um die optimale Schärfe/Tiefenschärfe steuern zu können), empfand
ich dies nicht als Mangel. Eine Umrüstung durch den Nikon-Service wäre
möglich gewesen. Da ich aber nicht den Wunsch verspürte, sparte ich mir
lieber diese Kosten.
Bei den meisten Nikon-Kameras
funktioniert das manuelle Objektiv mit Belichtungsmessung. Bei den
jüngsten Generationen ist dies leider nicht mehr der Fall. Bei der Nikon
F80 und allen Digitalkameras muß man aus technischen Gründen auf die
Belichtungsmessung verzichten. Inzwischen ist die Kameraelektronik weiter
entwickelt und kommuniziert mit dem Objektiv und tauscht Daten aus. Die
dadurch umständliche Handhabung waren auch für mich der Grund mein
Lieblingsobjektiv schweren Herzens zu verkaufen.
Fazit:
Inzwischen gehört das 20mm als Brennweite zu einer meiner
Lieblingsbrennweiten. Irgendwie finde ich Gefallen daran gewöhnliche
Motive durch ungewohnte und extreme Perspektive, in einem völlig anderem
und neuem Eindruck darzustellen.
Wer noch zu den Puristen der Fotografie gehört und gerne mit analoger
Technik fotografiert, wird es sicherlich nicht bereuen eines der optisch
hervorragenden 20mm zu kaufen. Ob es ein gebrauchtes oder neues ist, ein
manuelles oder ein AF oder AF-D bleibt jedem selbst überlassen.
Optisch sind sie alle 1A. Für Reisefotografen und Pressefotografen bietet
Nikon auch einige hervorragende Weitwinkelzooms an.